Cannabis bei Anorexie und Essstörungen

Magersucht hat die höchste Sterblichkeitsrate aller psychiatrischen Erkrankungen. Cannabis – insbesondere THC – ist bekannt dafür, Hunger auszulösen. Was das bedeutet, ist komplexer als es klingt.

Mechanismen: Wie Cannabis Hunger auslöst

Entspannte Person auf der Couch
Cannabis kann helfen, Anspannung und Stress abzubauen und den Schlaf zu verbessern
MechanismusWirkungRelevanz für Essstörungen
CB1-Aktivierung im HypothalamusGhrelin ↑, Leptin ↓Appetitgefühl steigt
Dopamin im Nucleus accumbensBelohnungswert von Essen ↑Essen fühlt sich lohnender an
CBD auf 5HT1AAnxiolyseEssangst in sozialen Situationen ↓
THC auf RiechkolbenGeruchssinn ↑Essen riecht intensiver, attraktiver

Warum Cannabis keine Wunderlösung ist

Anorexia nervosa ist keine einfache Appetitlosigkeit – sie ist eine psychiatrische Erkrankung mit schwerer Körperbildstörung und Kontrollzwang. THC kann Hunger erzeugen, aber das psychologische System dahinter bleibt unverändert. Patientinnen berichten teils, Cannabis-Hunger bewusst zu unterdrücken – der Kontrollzwang übertrumpft das Hungergefühl.

Wenn Cannabis begleitend sinnvoll sein kann

In der Refeeding-Phase (therapeutisches Wiederernähren) kann Cannabis Angst und Übelkeit lindern. Besonders bei Komorbidität PTBS + Essstörung hat CBD anxiolytisches Potenzial. Immer in Abstimmung mit dem Therapeutenteam – nie als Selbstbehandlung bei aktiver Magersucht.

Häufige Fragen

Kann Cannabis bei Anorexia nervosa helfen?
THC aktiviert CB1-Rezeptoren im Hypothalamus und steigert das Hungergefühl messbar. Bei Anorexie-Patientinnen in klinischen Settings wurde Cannabis zur Appetitstimulation eingesetzt. ABER: Der psychologische Kern der Erkrankung (Körperbildstörung, Kontrollzwang) wird durch Cannabis allein nicht behandelt.
Hilft CBD gegen die Angst bei Essstörungen?
CBD wirkt anxiolytisch über Serotonin-5HT1A-Rezeptoren. Essangst und soziale Esssituationen-Angst können durch CBD gemildert werden. Das macht CBD interessant als Begleittherapie – nicht als Ersatz für Psychotherapie (CBT, FBT).
Gibt es Studien zu Cannabis und Anorexie?
Begrenzt. Eine Pilotstudie (Andries et al. 2014) zeigte Gewichtszunahme bei Anorexie-Patientinnen durch synthetisches THC (Dronabinol). Weitere Forschung läuft. Die Leitlinien empfehlen Cannabis nicht als Primärbehandlung.
Welche Risiken gibt es bei Cannabis und Essstörungen?
Hohe THC-Mengen können Körperwahrnehmung verzerren und Dissoziation fördern – kontraproduktiv bei ohnehin gestörtem Körperbild. Cannabis als Kontrollverlust über das Essen kann Ambivalenz verstärken. Nur in therapeutischem Begleitkontext sinnvoll.
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