Worm Castings (Wurmkompost) für Cannabis: der unterschätzte Superdünger
Worm Castings — also Wurmhumus — sind der Liebling organischer Grower weltweit. Warum das kein Hype ist, wie man sie richtig einsetzt und warum der selbst produzierte Casting besser ist als der gekaufte.
Was sind Worm Castings?
Wurmkompost entsteht, wenn Kompostwürmer (meistens Eisenia fetida — rote Würmer) organisches Material fressen und verdauen. Was herauskommt, ist kein normaler Kompost: Die Verdauung der Würmer aktiviert Mikroorganismen, macht Nährstoffe pflanzenverfügbar und reichert das Material mit enzymartigen Verbindungen an.
Analysiert man Worm Castings im Labor, findet man: NPK ca. 1-0,5-0,5 (schwach, aber organisch gebunden), dazu Kalzium, Magnesium, Spurenelemente und Milliarden nützlicher Bakterien und Pilze pro Gramm.
Warum Castings besser sind als chemischer Dünger
- Kein Verbrennen: Worm Castings können nicht verbrennen. Man kann beliebig viel einmischen, ohne Nährstoffschäden zu riskieren
- Mikrobenleben: Die nützlichen Mikroorganismen helfen Wurzeln beim Nährstoffaufschluss (ähnlich wie Mycorrhiza)
- Slow Release: Nährstoffe werden langsam und gleichmäßig freigesetzt — kein Auf und Ab wie bei flüssiger Düngung
- pH-Pufferung: Castings stabilisieren den pH des Substrats — weniger Schwankungen, robustere Pflanzen
- Terpene: Organische Böden mit Würmer-Input produzieren nachweislich aromatischere Buds
Anwendung 1: Ins Substrat einmischen
Beim Befüllen des Topfes 10–20% Worm Castings in die Erde mischen. Für einen 10L-Topf also 1–2L Castings. Gleichmäßig verteilen, nicht als separate Schicht. Diese Grunddüngung reicht für die Veg-Phase komplett aus, in der Blüte kann nachgedüngt werden.
Anwendung 2: Top-Dressing
2–3 cm Worm Castings auf die Erdoberfläche verteilen und einwässern. Die Nährstoffe werden bei jeder Bewässerung in die Wurzelzone gespült. Ideal zur Blütevorbereitung oder als regelmäßige organische Pflege alle 2–3 Wochen.
Anwendung 3: Wurmtee (Aerated Compost Tea)
Die "aktivierte" Version — Mikroorganismen werden vermehrt und direkt in die Wurzelzone gegossen:
- 1–2 Handvoll Castings in 10L dechloriertem Wasser (Leitungswasser 24h offen stehen lassen)
- 1 TL Melasse als Bakteriennahrung einrühren
- Aquarium-Luftpumpe einsetzen, 24–48h belüften
- Leicht schaumiger, erdig riechender Tee ist fertig — sofort verwenden
Wurmtee kann man direkt als Bewässerung einsetzen (unverdünnt) oder als Blattspray (1:5 verdünnt).
Eigene Worm Castings produzieren
Ein Wurmkomposter (Vermicomposter) ist die kostengünstigste Dauerlösung:
- Anschaffung: 30–80 Euro für einfache Kunststoffwürmer-Systeme
- Würmer: Eisenia fetida (rote Würmer), ca. 500g als Startmenge, ca. 15 Euro
- Futter: Küchenabfälle (Gemüse, Obst, Kaffeefilter, Eierschalen) — kein Fleisch, keine Zitrusfrüchte
- Produktion: 500g Würmer produzieren ca. 1–2 kg Castings pro Monat
Nach 3–6 Monaten hat man dauerhaft kostenlosen, frischen Wurmkompost — der beste, den man bekommen kann.
Worm Castings in der Blüte
In der Blütephase steigt der Phosphor- und Kaliumbedarf. Castings allein reichen dann manchmal nicht. Ergänzungen für organic grower:
- Bat Guano (High-P): Phosphor für Knospenwachstum
- Kelp Meal: Kalium, Spurenelemente, Wachstumshormone
- Knochenmehl: Phosphor und Kalzium
Wer mit Worm Castings + Bat Guano als Top-Dress arbeitet, braucht in den meisten Fällen keinen weiteren flüssigen Dünger.