Cannabis bei Krebs: Appetitsteigerung und Gewichtsverlust – was die Forschung sagt
Tumorkachexie – der krankheitsbedingte Gewichtsverlust bei Krebs – betrifft bis zu 80% der Krebspatienten im fortgeschrittenen Stadium. Cannabis, speziell THC, ist eine der wenigen Substanzen mit belegter Appetitsteigerung.
Wirkungsmechanismus
THC bindet an CB1-Rezeptoren im Hypothalamus, die Hunger- und Sättigungssignale regulieren. Die Wirkung geht weit über "the munchies" hinaus: THC moduliert auch die Geschmackswahrnehmung (Essen schmeckt wieder), reduziert Übelkeit und kann Erschöpfung (Cancer-related fatigue) teilweise lindern.
Zugelassene Cannabis-Medikamente bei Krebs
| Medikament | Inhalt | Indikation |
|---|---|---|
| Dronabinol | Synthetisches THC | Chemo-Übelkeit, Appetitverlust (AIDS/Krebs) |
| Nabilon | Synthetisches THC-Analogon | Chemo-Übelkeit (2. Linie) |
| Sativex | THC:CBD 1:1 Spray | MS-Spastik, off-label Krebsschmerz |
| Medizinalcannabis | Getrocknete Blüten | Individuell, § 31 SGB V |
Praktische Hinweise für Betroffene
- Onkologen immer informieren – Wechselwirkungen mit Chemo möglich
- Rauchen ist kontraindiziert (Lunge, Immunsystem) – Vaporizer oder Öl bevorzugen
- Kassenanfrage lohnt sich – § 31 SGB V ermöglicht Kostenübernahme
- THC kann Schmerzmittel-Bedarf senken (Opioid-sparende Wirkung)
- Zweimal täglich niedrig dosiert ist oft besser als einmal hoch
Was Cannabis NICHT kann
Cannabis ist kein Krebsheilmittel. Schulmedizinische Therapien (Chemotherapie, Bestrahlung, Operation, Immuntherapie) dürfen nicht aufgegeben werden. Cannabis kann als Ergänzung die Lebensqualität verbessern – das ist sein bewiesener Wert.