Wintergrow: Cannabis im Winter indoor erfolgreich anbauen
Winter und Grow — das klingt nach einer guten Kombination: draußen kalt, drinnen mit Lampe kuschlig warm. In der Praxis bringt der Winter eigene Herausforderungen: trockene Heizungsluft, kalte Kellerräume und Kondensation. So meistert man sie.
Winter-Vorteil: kostenlose Kühlung fällt weg
Im Sommer ist Wärme das Hauptproblem — Lampen erzeugen Hitze, die abgeführt werden muss. Im Winter dreht sich das um: die Abwärme der Lampe ist willkommen. Grow-Zelte in warmen Wohnzimmern sind im Winter oft problemlos — nur in kalten Nebenräumen braucht man aktive Heizung.
Problem 1: Zu kalte Räume
Cannabis wächst bei unter 18°C kaum noch. Unter 15°C stoppt das Wachstum, unter 10°C drohen irreversible Schäden.
Risiko-Räume im Winter: Keller (ohne Heizung 8–14°C), Garage (Außentemperatur), ungeheizte Abstellräume.
Heizungs-Strategien
- Abluft im Raum zirkulieren (kein Export): Wenn Geruch kein Problem — Wärme und Feuchtigkeit bleiben im Raum. Lüfter intern zirkulieren lassen
- Heizmatte unter Töpfen: Hält Wurzelzone bei 20–22°C, sehr effektiv (15–25 Euro)
- Kleiner Heizlüfter mit Thermostat: Im Zimmer oder Raum, hält Raumtemperatur stabil
- Stärkere Lampe: Eine 400W HPS produziert erheblich mehr Wärme als eine 200W LED — manchmal der einfachste Weg
Problem 2: Zu trockene Luft durch Heizung
Heizungsluft kann die relative Feuchtigkeit auf 20–35% senken. Cannabis in Veg braucht 50–70%, in Blüte 40–55%.
Luftfeuchtigkeit erhöhen
- Ultraschall-Luftbefeuchter (20–50 Euro): günstig, einfach, effektiv — täglich Wasser nachfüllen
- Evaporativer Befeuchter (Verdunsterprinzip): günstiger im Betrieb, keine Kalkflecken auf Blättern
- Abluft nicht nach außen führen: Kreislauf-Betrieb hält Feuchtigkeit im Raum
- Große offene Wasserflächen im Zimmer: minimaler Effekt, als Ergänzung
Achtung: In der Spätblüte (letzte 3–4 Wochen) Luftfeuchtigkeit auf 40–50% halten — auch wenn die Versuchung groß ist mehr hinzuzufügen. Botrytis braucht Feuchtigkeit + Kälte.
Problem 3: Kondensation
Wenn warme, feuchte Luft aus dem Grow-Zelt auf kalte Wände, Fensterscheiben oder Rohre trifft: Kondensation. Das führt zu Feuchtigkeitsschäden und Schimmel in der Wohnung.
Maßnahmen:
- Abluft direkt nach außen führen (Fensterfolie, Abluftschlauch zum Fenster)
- Raum ausreichend heizen damit Temperaturunterschiede geringer sind
- Kondensat-Punkte (kalte Rohre, Wände) isolieren
VPD im Winter: Temperatur und Feuchte ausbalancieren
VPD (Vapour Pressure Deficit) ist der Druck-Unterschied zwischen der Feuchte in der Pflanzenzelle und der Feuchte in der Umgebungsluft. Optimaler VPD:
- Veg-Phase: 0.8–1.2 kPa
- Frühe Blüte: 1.0–1.4 kPa
- Hochblüte: 1.2–1.6 kPa
Winter-Typisch: 20°C + 30% rH = VPD ~1.6 kPa — grenzwertig hoch. Lösung: Luftfeuchtigkeit auf 50% erhöhen → VPD fällt auf ~1.2 kPa. VPD-Tabellen sind online verfügbar und zeigen für jede Temperatur-Feuchte-Kombination den resultierenden VPD-Wert.
Wintergrow-Checkliste
- Raumtemperatur: mindestens 20°C (Heizmatte + Raumheizung)
- Luftfeuchtigkeit: 50–65% rH in Veg, 40–55% in Blüte
- Abluft: entweder nach außen oder im Kreislauf (je nach Geruchssituation)
- Kondensation: kalte Oberflächen von feuchter Abluft fernhalten
- Hygrometer: mit Logger für automatische Aufzeichnung