Die meisten Home Grower optimieren Tagestemperatur und VPD – aber die Nacht vernachlässigen sie. Dabei beeinflusst die Nachttemperatur entscheidend: Stretching in der frühen Blüte, Terpenprofil bei der Ernte, und ob die Pflanze morgens erholt oder gestresst in den Tag startet.
Optimale Temperaturen nach Wachstumsphase
| Phase | Tag (°C) | Nacht (°C) | DIF | RH nachts | Ziel |
|---|---|---|---|---|---|
| Keimling / Sämling | 22–26°C | 20–22°C | +2 bis +4°C | 65–75% | Gleichmäßige Bedingungen, kein Stress |
| Vegetationsphase | 22–26°C | 16–20°C | +4 bis +8°C | 55–65% | Normales Wachstum, starke Wurzeln |
| Frühe Blüte (Wo. 1–3) | 22–25°C | 18–22°C | +2 bis +4°C | 50–60% | Stretchingkontrolle (ggf. neg. DIF) |
| Mittlere Blüte (Wo. 4–7) | 20–24°C | 18–22°C | +2 bis +4°C | 45–55% | Trichomaufbau, Botrytis-Vermeidung |
| Späte Blüte / Reife | 18–22°C | 15–18°C | +3 bis +5°C | 40–50% | Terpenprofil, Anthocyanin, Reife |
| Nicht empfohlen (zu warm nachts) | > 25°C | > 25°C | 0°C (kein DIF) | > 70% | Schimmelrisiko, übermäßiges Stretching |
DIF-Methode gegen Stretching
DIF = Differenz zwischen Tages- und Nachttemperatur (Tag minus Nacht):
- Positive DIF (normal, z.B. Tag 24°C / Nacht 18°C): Normales Streckungswachstum
- Null DIF (gleiche Temp.): Minimales Streckungswachstum
- Negative DIF (Nacht wärmer, z.B. Tag 22°C / Nacht 26°C): Deutlich kompakteres Wachstum
Praxis: In Blütewoche 1–3 bei Sativa-Hybriden: Lüftung tagsüber erhöhen (kühlt), nachts reduzieren (wärmer). Umsetzbar ohne Investition in teure Klimaanlage.
VPD nachts verstehen
VPD (Vapour Pressure Deficit) steuert die Transpiration:
- Nachts sind Stomata geschlossen → weniger Transpiration nötig
- Niedrigerer VPD nachts (höhere RH + niedrigere Temp.) ist normal und sinnvoll
- Ideal VPD Tag: 0,8–1,2 kPa (Blüte)
- Ideal VPD Nacht: 0,5–0,8 kPa – Pflanze erholt sich ohne zu viel Verdunstung
- Zu hoher VPD nachts (Heizung ohne Befeuchtung) = Pflanzen transpirieren auch nachts → Stress
Kältenacht-Methode: Terpene & Farbe
In den letzten 2–3 Wochen vor der Ernte können kühle Nächte (15–18°C) gezielt eingesetzt werden:
- Terpene: Terpen-Syntheseenzyme arbeiten bei kühlen Temperaturen effizienter → intensiveres Aroma
- Anthocyane: Blau-lila Pigmentierung bei Kälte + kälteempfindlichen Sorten (Purple-Sorten)
- Trichomproduktion: Leichter Kältestress kann Trichomanzahl erhöhen (Pflanze produziert mehr Harz als Schutz)
- Umsetzung: Fenster kurz öffnen, Lüftung erhöhen, Heizung aus – auf 15–16°C abkühlen lassen
Häufige Fragen zur Nachttemperatur
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