Cannabis LST Training — Ast mit Draht gebunden
Eigenanbau Guide

Cannabis Trainingstechniken: Topping, LST, Lollipopping und SCROG für mehr Ertrag

Mit den richtigen Trainingstechniken holst du deutlich mehr aus deinen 3 Pflanzen heraus — mehr Buds, bessere Lichtnutzung, gleichmäßigere Ernte.

Wer mit dem Eigenanbau beginnt, denkt selten als erstes an Trainingstechniken. Dabei ist das gezielte Formen und Trainieren der Pflanze einer der effektivsten Hebel, um mehr Ertrag aus wenigen Pflanzen herauszuholen. Das CanG erlaubt dir in Deutschland bis zu 3 Pflanzen gleichzeitig — mit richtigem Training kann jede einzelne Pflanze das Doppelte oder mehr produzieren als eine untrainierte.

Der Grundgedanke hinter allen Trainingstechniken ist einfach: Cannabis wächst von Natur aus als Einzeltrieb (sogenannte Apikaldominanz) — die Spitze wächst nach oben, alle Seitentriebe bleiben zurück. Das funktioniert im Wald gut, für den Home-Grow aber schlecht. Du willst eine gleichmäßige, flache Canopy, bei der alle Triebe im gleichen Abstand zur Lampe hängen und alle Buds gleichzeitig gut beleuchtet werden.

13-Minuten-Überblick: Topping, LST und Lollipopping im direkten Vergleich

Was ist Topping?

Topping ist die bekannteste High-Stress-Trainingstechnik (HST). Du schneidest die Wachstumsspitze der Pflanze — den sogenannten Apikaltrieb — sauber ab. Das Ergebnis: Statt eines dominanten Haupttriebs bilden sich zwei neue gleichwertige Triebe. Diese können wiederum getoppt werden, was zu 4, 8 oder noch mehr gleichwertigen Haupttrieben führt.

Wann toppen? Frühestens wenn die Pflanze 5 bis 6 Internodien entwickelt hat — das entspricht etwa Woche 3 der Vegetationsphase. Zu frühes Toppen stresst die Pflanze stark und verlangsamt das Wachstum erheblich. Nach dem Topping braucht die Pflanze 3 bis 5 Tage Erholung, bevor neues Wachstum sichtbar ist.

Werkzeug: Immer mit einer sauberen, desinfizierten Schere oder einem Skalpell schneiden. Schnitte an Pflanzen sind potenzielle Eintrittspforten für Pilze und Bakterien.

Vor- und Nachteile Topping
Vorteile
Mehrere gleichwertige Hauptbuds
Flachere, breitere Pflanze
Gut kombinierbar mit LST
Mehr Ertragspotenzial pro Lampe
Kostenlos — kein Equipment nötig
Nachteile
High Stress — Erholung nötig
Verlängert die Veg-Phase um 4–7 Tage
Nicht für Autoflowering geeignet
Fehler können Pflanze schädigen

FIM — die sanftere Topping-Variante

FIM steht für "F*ck I Missed" — die Technik entstand durch einen Fehler beim Topping. Statt die Spitze komplett abzuschneiden, entfernst du beim FIM nur ca. 80 Prozent der Wachstumsspitze. Das Ergebnis: Statt 2 entstehen 3 bis 4 neue Triebe gleichzeitig. Der Stress ist geringer als beim Topping, die Erholung kürzer.

Kriterium Topping FIM
Neue Haupttriebe 2 3–4
Stress-Level Hoch Mittel
Erholungszeit 4–7 Tage 2–4 Tage
Präzision nötig Mittel Hoch
Ergebnis-Vorhersehbarkeit Sehr hoch Mittel
Für Anfänger Ja Eher nein

Low Stress Training (LST)

LST ist die anfängerfreundlichste Trainingstechnik — keine Schnitte, kein Stress durch Gewebeverletzung. Du biegst die Haupttriebe der Pflanze sanft zur Seite und fixierst sie mit weichem Draht, Kabelklemmen oder speziellen LST-Clips. Das Ziel: alle Triebe auf eine gleichmäßige Höhe bringen, damit die Lampe jeden Bud-Ansatz gleich stark beleuchtet.

Praxis-Kurzclip: LST in 90 Sekunden erklärt

Ab wann starten? LST kann bereits ab Woche 2 der Vegetationsphase beginnen, sobald die Triebe lang genug sind, um sie zu biegen ohne zu brechen. Je früher du anfängst, desto geschmeidiger und biegsamer sind die Äste — später verholzen sie und brechen leichter.

LST-Werkzeuge im Überblick
Weicher Aluminiumdraht
Günstig, flexibel, mehrfach verwendbar
Kabelklemmen (Velcro)
Pflanzenfreundlich, keine Druckstellen
LST-Clips (Plastik)
Speziell für Grow-Triebe entwickelt
Topf-Löcher / Haken
Fixierpunkte direkt am Topfrand

Regeln für gesundes LST

Lollipopping — Energie auf Top-Buds fokussieren

Lollipopping bezeichnet das gezielte Entfernen der unteren Äste, Triebe und Blätter, die wenig Licht abbekommen. Diese sogenannten "Popcorn-Buds" verbrauchen Energie der Pflanze, produzieren aber keine qualitativ hochwertigen Buds. Wer sie entfernt, lenkt die gesamte Energie der Pflanze auf die oberen Hauptbuds um — das Ergebnis sind weniger, aber deutlich größere und dichtere Buds.

Lollipopping Timing — zweistufig
1
1–2 Wochen vor Blüteeinleitung: Alle unteren Äste entfernen, die weniger als 1/3 der Pflanzenhöhe ausmachen. Große Seitentriebe stehen lassen.
2
Erste Blütewoche (Tage 7–10): Zweite Runde: verbleibende kleine Triebe und Blütenansätze im unteren Drittel entfernen. Ab Tag 14 nichts mehr schneiden.

Was bleibt, was geht: Bleibt alles, was mindestens 50 Prozent der Lampenhöhe erreicht und gutes Licht bekommt. Entfernt werden alle kleinen, schattigen Triebe im Innern und unten — sie würden zu winzigen Buds ohne Qualität werden und nur Ressourcen verbrauchen.

SCROG — Screen of Green

SCROG ist die Königsdisziplin des Home-Grows. Ein Netz (Screen) wird ca. 20 bis 30 cm über den Pflanzen gespannt. Die wachsenden Triebe werden durch die Maschen des Netzes gezogen und nach außen geführt, sodass eine vollständig flache, gleichmäßige Canopy entsteht. Jeder Quadratzentimeter unter der Lampe wird optimal genutzt.

Wann mit dem Füllen beginnen? Das Netz wird in der Vegetationsphase befüllt. Erst wenn 60 bis 70 Prozent der Maschenfelder mit Trieben belegt sind, wird auf Blüte umgestellt. Das dauert je nach Sorte 3 bis 6 Wochen — plant entsprechend. Einmal in der Blüte wird das Netz nicht mehr aktiv befüllt, nur noch festgehalten.

Kriterium SOG (Sea of Green) SCROG (Screen of Green)
Pflanzenanzahl Viele kleine Pflanzen Wenige große Pflanzen
Veg-Dauer Sehr kurz (2–3 Wochen) Lang (4–8 Wochen)
Equipment Kein Netz nötig Netz / Screen nötig
Trainingsaufwand Gering Mittel bis hoch
Ertrag pro m² Sehr gut Sehr gut
Für Heimgrower (3 Pflanzen) Weniger geeignet Ideal
Klonen nötig Oft sinnvoll Nicht zwingend

Mainlining / Manifolding

Mainlining kombiniert Topping mit präzisem LST, um eine absolut symmetrische Pflanzenstruktur zu erzwingen. Das Ziel: 8 oder 16 gleichwertige Haupttriebe, die alle vom gleichen Punkt (dem sogenannten "Hub") ausgehen. Das erzeugt eine Pflanze, die wie ein perfekter Stern von oben aussieht — alle Buds sind gleich groß, weil alle denselben Abstand zur Wurzel und zur Lampe haben.

Der Prozess: Erst wird bei Internodium 3 getoppt, alle unteren Triebe entfernt außer den direkt darunter liegenden zwei. Diese werden mit LST nach außen gezogen. Dann wird jeder dieser Triebe erneut getoppt. Das Ergebnis sind 4 symmetrische Äste — weitere Toppings auf 8 oder 16 Haupttriebe möglich.

Achtung: Mainlining verlängert die Vegetationsphase um 3 bis 5 Wochen. Nicht für Autoflowering geeignet. Empfohlen ab dem zweiten oder dritten Grow.

Welche Technik wann?

Technik Schwierigkeit Zeitaufwand Ertragssteigerung Anfänger?
LST Einfach Täglich 2–5 Min. 20–40 % Ja, empfohlen
Topping Mittel Einmalig + Erholung 30–50 % Ja, ab Grow 1
FIM Mittel-hoch Einmalig + Erholung 30–50 % Bedingt
Lollipopping Einfach 1–2 Stunden gesamt 10–25 % Ja
SCROG Mittel Wöchentlich in Veg 40–70 % Ab Grow 2
Mainlining Hoch Mehrere Wochen 50–80 % Nein

Typische Fehler beim Training

Zu früh toppen Pflanzen brauchen mindestens 5–6 Internodien, bevor Topping sinnvoll ist. Früher erzeugt nur unnötigen Stress ohne Mehrwert.
Autoflowering toppen Autoflower-Sorten haben keine Zeit zur Erholung von High-Stress-Maßnahmen. LST und leichtes Lollipopping sind hier die richtigen Werkzeuge.
Zu viele Techniken auf einmal Anfänger kombinieren oft Topping, FIM, SCROG und Lollipopping gleichzeitig. Das überfordert die Pflanze und dich. Eine Technik pro Grow lernen.
Draht einschnüren lassen LST-Draht muss regelmäßig kontrolliert werden. Eingewachsener Draht schnürt Leitungsbahnen ab und schadet dauerhaft.
In der Blüte aggressiv weitermachen Training in der Blütephase (besonders ab Woche 3) kostet Ertrag. Schnitte jetzt leiten Energie um, statt sie in Buds zu stecken.

Häufige Fragen zu Trainingstechniken

Ab wann kann ich meine Cannabispflanze toppen?
Das Topping sollte erst erfolgen, wenn die Pflanze mindestens 5 bis 6 Internodien entwickelt hat — das ist in der Regel ab Woche 3 der Vegetationsphase. Wird zu früh gekappt, riskierst du starken Stress, der das Wachstum deutlich verlangsamt. Autoflowering-Sorten solltest du generell nicht toppen, da ihnen die Zeit zur Erholung fehlt.
Kann ich Topping und LST kombinieren?
Ja, die Kombination aus Topping und LST ist eine der effektivsten Methoden im Heimanbau. Nach dem Toppen wachsen zwei neue Haupttriebe. Diese lassen sich hervorragend mit LST nach außen biegen, um eine gleichmäßige, flache Canopy zu erzeugen. Das Ergebnis: mehr Hauptbuds, bessere Lichtverteilung und deutlich mehr Ertrag als bei untrainierten Pflanzen.
Wie viel mehr Ertrag bringt SCROG gegenüber keinem Training?
Ein gut umgesetztes SCROG-Setup kann den Ertrag im Vergleich zu untrainierten Pflanzen um 30 bis 50 Prozent steigern. Der Hauptvorteil liegt in der gleichmäßigen Lichtverteilung: Alle Buds befinden sich auf einer Höhe und erhalten maximale Lichtintensität. Die genaue Steigerung hängt von Sorte, Lampenstärke und Ausführung ab.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für Lollipopping?
Lollipopping wird in zwei Stufen durchgeführt: Der erste Schnitt erfolgt etwa 1 bis 2 Wochen vor dem Wechsel auf 12/12 (Blüteeinleitung). Die zweite Runde findet in der ersten Blütewoche statt — dann werden die verbleibenden unteren Seitentriebe und kleinen Blütenansätze entfernt. Wichtig: Nach der zweiten Blütewoche solltest du keine größeren Schnitte mehr vornehmen.
Ist Mainlining für Anfänger geeignet?
Mainlining ist für absolute Anfänger eher nicht empfehlenswert. Die Technik erfordert mehrere präzise Toppings, exaktes Timing und eine lange Vegetationszeit. Für den ersten Grow sind LST alleine oder die Kombination aus einem einmaligen Topping mit LST deutlich anfängerfreundlicher und verzeihen Fehler besser. Mainlining lohnt sich ab dem zweiten oder dritten Grow.
Weiterführende Ratgeber
Cannabis Eigenanbau — Kompletter Guide Zimmer-Grow einrichten SCROG Guide — Schritt für Schritt Erster Grow Checkliste

Häufige Fragen

Ab wann kann ich meine Cannabispflanze toppen?
Das Topping sollte erst erfolgen, wenn die Pflanze mindestens 5 bis 6 Internodien entwickelt hat — das ist in der Regel ab Woche 3 der Vegetationsphase. Wird zu früh gekappt, riskierst du starken Stress, der das Wachstum deutlich verlangsamt. Autoflowering-Sorten solltest du generell nicht toppen, da ihnen die Zeit zur Erholung fehlt.
Kann ich Topping und LST kombinieren?
Ja, die Kombination aus Topping und LST ist eine der effektivsten Methoden im Heimanbau. Nach dem Toppen wachsen zwei neue Haupttriebe. Diese lassen sich hervorragend mit LST nach außen biegen, um eine gleichmäßige, flache Canopy zu erzeugen. Das Ergebnis: mehr Hauptbuds, bessere Lichtverteilung und deutlich mehr Ertrag als bei untrainierten Pflanzen.
Wie viel mehr Ertrag bringt SCROG gegenüber keinem Training?
Ein gut umgesetztes SCROG-Setup kann den Ertrag im Vergleich zu untrainierten Pflanzen um 30 bis 50 Prozent steigern. Der Hauptvorteil liegt in der gleichmäßigen Lichtverteilung: Alle Buds befinden sich auf einer Höhe und erhalten maximale Lichtintensität. Die genaue Steigerung hängt von Sorte, Lampenstärke und Ausführung ab.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für Lollipopping?
Lollipopping wird in zwei Stufen durchgeführt: Der erste Schnitt erfolgt etwa 1 bis 2 Wochen vor dem Wechsel auf 12/12 (Blüteeinleitung). Die zweite Runde findet in der ersten Blütewoche statt — dann werden die verbleibenden unteren Seitentriebe und kleinen Blütenansätze entfernt. Wichtig: Nach der zweiten Blütewoche solltest du keine größeren Schnitte mehr vornehmen.
Ist Mainlining für Anfänger geeignet?
Mainlining ist für absolute Anfänger eher nicht empfehlenswert. Die Technik erfordert mehrere präzise Toppings, exaktes Timing und eine lange Vegetationszeit. Für den ersten Grow sind LST alleine oder die Kombination aus einem einmaligen Topping mit LST deutlich anfängerfreundlicher und verzeihen Fehler besser. Mainlining lohnt sich ab dem zweiten oder dritten Grow.
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